SC 07 Schleusingen e.V.
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Winterpause - Bilanz des SC 07 Schleusingen in der Kreisoberliga

Das Freie Wort veröffentlichte das Interview mit Burkhard Winkler und Sebastian Fleischmann in seiner Ausgabe vom 2. Januar 2018.

„Wir brauchen die volle Kapelle“

In der Winterpause-Bilanz sprechen Burkhardt Winkler, Trainer des SC 07 Schleusingen, sowie Sportclub-Geschäftsführer Sebastian Fleischmann über die Ziele des Kreisoberliga-Aufsteigers, wie die Mannschaft mit dem Fortgang von Toptorjäger Ousman Badjie umgeht und wie der Klassenerhalt gelingen soll.

Herr Winkler, vor der Saison sagten Sie, dass Ihre Mannschaft vom Niveau her in der Kreisoberliga mithalten kann. Sehen Sie das, obwohl der Sportclub auf dem vorletzten Tabellenplatz überwintert, auch weiterhin so?
Natürlich. Wir haben einige gute Spiele gemacht, in denen wir klar die bessere Mannschaft waren. Allerdings haben wir unsere spielerische Überlegenheit oftmals nicht genutzt. Weil wir die Bälle einfach nicht versenkt haben. Auch das erste Spiel gegen Erlau dürfen wir eigentlich nicht verlieren. Aber hier spielte dann sicherlich auch die Unerfahrenheit eine Rolle. Besonders schmerzhaft kam das gegen Neuhaus-Schierschnitz zum Tragen, als wir bis zur 80. Minute mit 3:1 führen und am Ende noch 3:4 verlieren. Und dann gab es sicherlich auch Spiele wie gegen die SG Sachsenbrunn, in denen wir absolut keine Chance hatten.

Sie haben gerade die Partie gegen den Spitzenreiter angesprochen. Die ging am dritten Spieltag mit 0:9 verloren. Zuvor gab es eine 0:5-Pleite gegen die SG Goßmannsrod. Nach den ersten drei Spieltagen stand Ihre Mannschaft mit einem Torverhältnis von 2:17 auf dem letzten Tabellenplatz. Was haben Sie Ihrer Mannschaft zu diesem Zeitpunkt gesagt?
In den ersten drei Spielen mussten wir sicherlich viel Lehrgeld zahlen. Allerdings haben wir hier auch gegen die drei Mannschaften verloren, die auch jetzt ganz oben stehen. Ich habe meinen Spielern nach der Partie gegen die SG Sachsenbrunn gesagt, dass wir einfach noch Defizite haben, wir aber zu Beginn gleich gegen die drei besten Mannschaft der Liga gespielt haben. Und dass es keine Schande ist, wenn man da Fehler macht. Ich habe meinen Spielern allerdings auch gesagt, dass wir lernen müssen, hinten kompakter zu stehen. Das muss die Mannschaft aber erst verinnerlichen. In der Kreisliga haben wir immer offensiven Fußball gespielt. Wenn du aber in eine höhere Spielklasse aufsteigst, dann musst du dein System anpassen.

Anschließend ging es bergauf. Nur eine Woche nach der bitteren 0:9-Pleite folgte ein 6:2-Kantersieg über die SG Streufdorf. Danach gab es bis auf die 1:2-Niederlage gegen Mitaufsteiger SG Mendhausen drei Unentschieden. Darunter auch ein 2:2 gegen den Vizemeister aus Effelder. Warum lief es da plötzlich?
Wir hatten uns angepasst, standen hinten nun etwas kompakter. Wobei ich ehrlich gesagt immer noch mit der Chancenverwertung in den Spielen gegen Oberlind und Milz hadere. Hier wäre definitiv mehr als ein Unentschieden drin gewesen. Das war schon unglaublich, was wir da liegen gelassen haben. Die Heimniederlage gegen den Mitaufsteiger war auch bitter. Wobei es die Römhilder auch gut gemacht haben. Die sind an diesem Tag wirklich sehr forsch zur Sache gegangen und wir haben uns davon beeindrucken lassen. Es hätte der Mannschaft wirklich gut getan, wenn wir hier das ein oder andere Spiel gewonnen hätten.

Sie haben das 0:0-Unentschieden Anfang Oktober in Milz angesprochen. Zusammen mit dem 3:0-Auswärtssieg in Veilsdorf sprangen hier nach dem Effelder-Spiel die letzten Punkte für den Sportclub raus. Die restlichen fünf Spiele gingen allesamt verloren. Vier davon ohne eigenen Treffer. Liegt es auch daran, dass Ousman Badjie seit dem Spiel in Milz fehlt?
Definitiv. Die 37 Treffer, die er in Vorsaison erzielt hat, kommen nicht von ungefähr. Ousman ist einfach clever. Er ist sehr beweglich und geht immer wieder in die Tiefe. Er weiß genau, wo er sich anbieten muss. Du konntest ihn immer anspielen. Er war in der Offensive einfach Dreh- und Angelpunkt. Da er nicht mehr zur Verfügung steht, haben wir Andreas Klose reaktiviert, allerdings ist er auch fast 40. Ein Vergleich mit Ousman steht deshalb nicht zur Debatte.

Wie haben Sie die Dramatik um Ousman Badjie mitbekommen?
Ich dachte eigentlich immer, dass er früher oder später zurückkommen wird. Zumal er ja auch nicht all seine Sachen mitgenommen hat. Wenn du vorhast, einen neuen Weg einzuschlagen und aufzubrechen, dann räumst du doch vorher deinen Schrank aus. Er hat ja nicht mal Pamodou und Modou (Anmerkung der Redaktion: Gemeint sind die ebenfalls aus Gambia stammenden Mannschaftskollegen Pamodou Sanyang und Modou Dampha, mit denen Badjie in einer Wohngemeinschaft lebte) Bescheid gegeben. Deshalb hatte ich immer noch Hoffnung. Aber mittlerweile sieht es ja danach aus, dass er nicht mehr für den Sportclub spielen wird.

Ist der Klassenerhalt auch ohne Ousman Badjie möglich?
Ja! Wir glauben immer noch daran und werden alles dafür tun.

Vor Kurzem hat sich Badjie erstmals wieder über Handy bei seinen Landsleuten gemeldet. Demnach soll er sich in Italien aufhalten, weil er dort als anerkannter Flüchtling gilt. Es liegt nahe, dass er seine neue Heimat, die er hier in Schleusingen gefunden hatte, aus Angst nicht dauerhaft in dieser bleiben zu können, verließ. Demzufolge wird er wohl tatsächlich nicht mehr im Schleusinger Trikot auflaufen. Wie geht die Mannschaft mit dem Verlust Ihres Topstürmers um?
Die Mannschaft ist natürlich enttäuscht. Alle wissen, welche fußballerische Qualität uns mit dem Fortgang von Ousman abhanden gekommen ist.

Muss man speziell mit Sanyang und Dampha nun anders umgehen? Haben die beiden eine Zukunft in Deutschland, eine Zukunft beim Sportclub?
Sebastian Fleischmann: Wir hoffen natürlich, dass beide Jungs weiterhin in Deutschland beziehungsweise in Schleusingen bleiben dürfen und auch zukünftig ihre Fußballschuhe bei uns schnüren. Die Grundsteine dafür werden durch das ehrenamtliche Engagement des SC 07 bei der Betreuung der beiden Gambier gelegt. Das selbstständige Wohnen und der Alltag funktionieren inzwischen problemlos. Bei bürokratischen Hürden stehen wir mit Rat und Tat zur Seite. Modou Dampha arbeitet über eine Einstiegsqualifizierungsmaßnahme in Zusammenarbeit mit der Arbeitsagentur bei einem örtlichen Betrieb und soll dort im Herbst seine Lehre beginnen. Auch Pamodou Sanyang hinterließ bei Praktika in Schleusinger Firmen bisher einen positiven Eindruck und möchte mit seinen Bewerbungen nach der Schule auch eine Lehrstelle in Schleusingen antreten.

Herr Fleischmann, werden die beiden die komplette Rückrunde im Trikot des SC spielen?
Ich gehe fest davon aus.

Herr Winkler, zurück zum Sportlichen: Was muss in der Rückrunde besser laufen, wenn man das Ziel Klassenerhalt erreichen will?
Wir müssen vor allem im Defensivbereich arbeiten. Wenn wir da noch kompakter stehen, dann werden wir auch mehr Spiele gewinnen. Nicht umsonst heißt es ja: Mit Stürmern gewinnst du Spiele, mit Abwehrspielern Titel (lacht).

Wie sehr schmerzt es da, dass es zu Beginn gleich gegen den Spitzenreiter geht?
Tja (lacht). Die Ansetzung kann man jetzt nicht mehr ändern, aber wir können den Schaden gering halten. Denn gegen die Sachsenbrunner Angreifer haben im Moment alle ihre Probleme.

Die Sachsenbrunner haben sich vor der Saison auch im Zuge der neuen Spielgemeinschaft enorm verstärkt. Sind personelle Verstärkungen in der Winterpause etwas für den SC?
Gegen personelle Verstärkung habe ich nichts einzuwenden, zumal wir noch viele junge Spieler, die zwar sehr hungrig, allerdings auch unerfahren sind, haben. Das hat man auch im Spiel gegen Neuhaus-Schierschnitz gemerkt. Da standen allein sechs Achtzehnjährige in der Startelf. Ich bin aber guter Dinge. Wir wissen, was wir falsch gemacht haben und werden nun an den richtigen Stellschrauben drehen. Unsere junge Mannschaft wird sich in der Rückrunde sicherlich anders präsentieren.
Sebastian Fleischmann: Wir haben viel Vertrauen in unseren Nachwuchs. Die A-Junioren sind aktuell Tabellenführer der Kreisoberliga und haben sich bereits den Titel des Hallenkreismeisters gesichert. Auf die Jungs, die nun peu à peu nachrutschen, freuen wir uns, auch wenn sie natürlich im Männerbereich erst noch richtig Fuß fassen müssen. Weiterhin gibt es zwar zwanglose Gespräche mit Spielern, die aus anderen Kreisen und Ländern nach Schleusingen gezogen sind und hier inzwischen leben und arbeiten. Hier wird sich noch zeigen, ob und wann diese sich entscheiden, uns zu verstärken.

Herr Winkler, wie sieht die Vorbereitung in der Winterpause aus?
Wir werden an einigen Hallenturnieren teilnehmen. Und dann werden wir auch wieder unser mittlerweile obligatorisches Trainingslager in Weißenfels austragen.

Was sind Ihre Wünsche und Ziele für 2018?
Dass alle Spieler von Verletzungen verschont bleiben. Dass der ein oder andere mal ausfallen wird, ist doch völlig klar, aber es sollte sich im Rahmen halten. Wir brauchen die volle Kapelle, wenn wir den Klassenerhalt schaffen wollen.
Sebastian Fleischmann: Erklärtes Ziel ist natürlich der Klassenerhalt. Ich wünsche mir daher, dass das Team weiterhin so fest zusammenhält und sich nach gemeinsamem Aufstieg auch mit dem Verbleib in der Kreisoberliga belohnt.

Herr Winkler, zum Abschluss: Wer wird Meister? Wer steigt ab?
Ich denke schon, dass die Sachsenbrunner Meister werden. In Sachen Abstieg will ich eigentlich gar nichts sagen. Zumal es ja auch noch darauf ankommt, wer aus der Landesklasse runter muss. Ich denke aber, dass Streufdorf ein Abstiegskandidat ist. Unser Vorteil ist, dass wir nicht abgeschlagen hinten, sondern in noch guter Reichweite zum Rest liegen.

Interview: Carsten Jentzsch

Quelle: Freies Wort vom 02.01.2018


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