SC 07 Schleusingen e.V.
98553 Schleusingen
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Interview im Freien Wort - Halbzeit-Fazit unseres Trainers Markus Lauth

„Klassenerhalt ergibt keinen Sinn“

In der Winterpause-Bilanz spricht Markus Lauth, Trainer des SC 07 Schleusingen, über ein Ergebnis, das man sich niemals zu träumen gewagt hätte, verrät, warum es für den Aufsteiger aus der Burgstadt von Anfang an um mehr ging als den Klassenerhalt und wagt eine Antwort auf die Frage, warum die Liga mehr oder weniger ausgeglichen ist.

Herr Lauth, Sie haben nach dem Aufstieg im Gespräch mit unserer Zeitung mal gesagt, Sie machen Erfolge grundsätzlich nicht an Punkten oder Tabellenständen fest. Der neunte Platz mit 19 Punkten liest sich aber trotzdem ganz gut, oder?
Wenn man bedenkt, dass wir als alleiniger Aufsteiger in so einer Staffel mit 19 Punkten dastehen, können wir schon zufrieden sein. Dabei haben wir den einen oder anderen Punkt leichtfertig oder sogar fahrlässig hergegeben, sodass unsere Bilanz durchaus positiver hätte ausfallen können. Aber aufgrund des Alters und der damit verbundenen Erfahrungswerte meines Teams sind wir dennoch sehr positiv gestimmt.

Im Auftaktspiel hat Ihr Team Schönbrunn mit 7:0 vom Platz gefegt. Viele waren sich anschließend sicher, diese Mannschaft steigt nicht ab, teilweise wurde dem Team sogar ein Platz im oberen Feld zugetraut. Haben die Lobeshymnen die Mannschaft gelähmt. Anschließend folgten nur vier Punkte aus acht Spielen.
Ein 7:0-Sieg im Auftaktspiel haben wir uns nicht einmal zu träumen gewagt. Das war eines der Spiele, wo alles gepasst hat. Leider muss man sagen, dass die anderen Mannschaften auch gesehen haben, dass sich unser Spielstil im Vergleich zu den vergangenen Jahren ein klein wenig verändert hat und konnten sich so darauf einstellen. Als der Trend dann nach unten ging, hatten wir mit der jungen Mannschaft einiges zu verarbeiten. Gerade mein Co-Trainer Uwe Kummer, der die Jungs ja schon in der Jugend hervorragend ausgebildet hat, war in dieser Phase der Saison eine große Stütze für mich und die Mannschaft. Es war uns natürlich klar, dass wir in einer Phase der Saison das eine oder andere Tal durchschreiten. Dass es am Anfang so kam, ist natürlich unglücklich, aber wann ist schon der passende Zeitpunkt dafür? Ausgerechnet in dieser Phase hatten wir auch eine schlechte Trainingsbeteiligung. Wobei ich aber hervorheben darf, dass einige Akteure gar nicht am Trainingsbetrieb teilnehmen konnten.

Warum lief es anschließend wieder besser?
Wir haben unser Ohr immer an der Mannschaft gehabt. Wir sind überzeugt von unserem Weg und es lag ja nicht daran, dass wir so viel schlechter waren. Wir haben unser System ein klein wenig modifiziert und haben uns wieder auf die Basics des Fußballspielens konzentriert. Da hat man dann auch wieder die Entwicklung, die ich jetzt schon 18 Monate begleiten darf, gesehen. Wir befinden uns alle im Lernprozess und wir müssen aber auch die richtigen Schlüsse ziehen und gemeinsam daran arbeiten. So konnte man sehen, dass die Mannschaft aus dieser Situation heraus wollte und deshalb sehr diszipliniert daran gearbeitet hat.

Hat sich an der Zielstellung etwas geändert?
Unser Ziel war es von Anfang an, einen einstelligen Tabellenplatz zu erreichen. Das hat sich bis heute nicht geändert. Für uns als Aufsteiger ist es schwer, in so einer ausgeglichenen Liga zu bestehen. Allerdings ist es meines Erachtens ganz gut gelungen. Aufzusteigen und zu sagen, wir wollen nur die Klasse halten, ergibt aus meiner Sicht keinen Sinn.

Wann steigen Sie mit Ihrem Team wieder ins Training ein? Und was ist in der Vorbereitung geplant?
Wir starten am 4. Februar in die Vorbereitung und werden Testspiele gegen den SV Jüchsen (Anm. d. Red.: Kreisoberliga) , die SG Herpf, Steinbach-Hallenberg (beide Landesklasse) und gegen Eintracht Heldburg (Kreisliga) absolvieren. Diese sind aufgrund unseres Rasenplatzes alle zu Hause geplant.

Die Liga ist auch in diesem Jahr wieder sehr ausgeglichen. Zudem sind einstige Top-Teams der Liga nur noch Mittelmaß. Und Aufsteiger gewinnen zum Auftakt mal eben so mit 7:0, haben schon zur Winterpause nichts mit dem Abstieg zu tun. Woran liegt das? Ist das Niveau der Kreisoberliga Südthüringen so schwach?
Allgemein ist das Fußball-„Spielen“ in Thüringen sehr rückläufig. Die meisten Teams in der Liga kommen mehr über das kämpferische Element. Das ist nicht verkehrt, was ja auch die Tabellenplätze aussagen. Allerdings verfolgen wir gegen den Trend mehr das spielerische Element. Es heißt ja auch Fußball spielen und nicht Fußball kämpfen.

Wird man sich in der Winterpause personell verstärken?
Wir werden in der Winterpause wohl keine Neuzugänge präsentieren. Es werden zwar Gespräche geführt, nur ist das so eine Sache mit Neuzugängen. Wir haben eine sehr gute Mannschaftsstruktur und diese wollen wir nicht gefährden. Daher tendiere ich bei den Gesprächen mit den Spielern auf einen Wechsel im Sommer, da man die Saison gemeinsam beginnen kann. Aber komplett ausschließen möchte ich das jetzt nicht.

Wer wird Meister und wer steigt ab?
Wenn alles normal läuft, wird die SG 51 Sonneberg Meister und ist dann der verdiente Aufsteiger. Leider haben wir es nicht geschafft, sie zu schlagen, auch wenn es zwischenzeitlich ganz gut aussah. Dennoch war dieses Spiel sehr lehrreich für meine Mannschaft und hat uns allen, trotz der Niederlage, großen Spaß gemacht, da zwei spielende Mannschaften aufeinandertrafen. Über einen Absteiger möchte ich nicht spekulieren. Es kann jeder die Klasse halten und hier drücken wir jeder Mannschaft die Daumen. Nur empfinde ich es als respektlos, einen bestimmten Verein zu nennen. Daher hoffe ich einfach mal, dass der SC 07 Schleusingen nicht dabei ist.
Interview: Ulrich Hofmann

Quelle: Freies Wort vom 04.01.2020

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